Sieg reicht zum Aufstieg

Von Andreas Joas - Aufstiegsrelegation zur 2. Handball-Bundesliga: HC Empor Rostock – HSG Konstanz 31:31 (16:11)

Die erste Halbzeit mehr als „bescheiden“, so meinte etwa Samuel Wendel, die zweite allerdings eine, auf die Cheftrainer Daniel Eblen „richtig stolz“ war. Nach zwischenzeitlichem Sechs-Tore-Rückstand erkämpfte die HSG Konstanz im Hinspiel der Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga in Rostock nach einem im Nachwurf verwandelten Siebenmeter von Paul Kaletsch in letzter Sekunde ein 31:31 (16:11)-Remis. Im Rückspiel am Samstag, 20 Uhr, in der Schänzle-Hölle reicht somit ein Sieg zur Rückkehr in Liga zwei, dank 31 erzielter Auswärtstore wahrscheinlich sogar ein Unentschieden. Tickets für die Entscheidung sind über www.hsgkonstanz.de/tickets erhältlich.

Die erste Halbzeit der HSG Konstanz war schlicht zum Vergessen. Die wohl „bescheidenste der Saison“ meinte Samuel Wendel hinterher. Kein Zugriff in der Abwehr, die Torhüter völlig im Stich gelassen und „vorne werfen wir die Bälle weg wie noch gar nicht in dieser Saison“, meinte der junge Österreicher. Der Ärger darüber war groß. Die Enttäuschung ebenso. So wurde es nach dem schnellen 0:4 durch Janos Steidtmann nach gerade einmal etwas mehr als vier Minuten, dem 11:5, wieder durch Steidtmann in der 15. Minute und einer äußert schwachen Vorstellung laut in der Kabine der Konstanzer. „Es hat mich“, so Eblen, „geärgert, wie wir in die

An Medienverteiler HSG Konstanz

Partie gegangen sind. Das war wie in Eisenach und Dansenberg. Sowas kann ich nicht nachvollziehen, da fehlte jede Körpersprache.“ Zumindest auf einer Seite, denn Empor Rostock spielte sich, begünstigt durch die extrem vielen Unzulänglichkeiten der Gäste, schnell in einen Rausch, agierte sehr beweglich und entschlossen – also genau das Gegenteil vom Auftritt der blau gekleideten HSG. Nach vielen leichten Toren führten die Hausherren aus Mecklenburg-Vorpommern zur Pause mit 16:11.

Danach jedoch sollte der Süddeutsche Meister nicht mehr wiederzuerkennen sein. Plötzlich strahlte Konstanz eine andere Präsenz und Körpersprache aus, war bissig, entschlossen und ging dorthin, wo es wehtat. Bestes Beispiel dafür war Fabian Schlaich. Der Linksaußen wurde nach 53 Minuten hart am Kopf und an der Brust getroffen. Regungslos blieb er am Boden liegen, musste minutenlang auf dem Spielfeld behandelt und anschließend von Sanitätern auf einer Trage zur weiteren Behandlung in die Kabine gebracht werden. „Das hat mich an ein Football-Tackling erinnert“, konnte er nach dem Spiel schon wieder scherzen und lächelte: „Ich habe keine Luft mehr bekommen und war kurz weg. Als ich wieder Luft bekommen habe, war es halb so wild. Der Schock von außen war im Endeffekt größer, als es tatsächlich war.“ 

Immerhin kam er in den letzten Spielminuten, gestützt von Physiotherapeut Tobias Eblen und Fabian Maier-Hasselmann, zurück an den Spielfeldrand. Was er sah, dürfte der Genesung nicht abträglich gewesen sein. Die HSG Konstanz stellte einmal mehr ihr unfassbares Kämpferherz unter Beweis und schickte sich an, das Spiel komplett zu drehen. Empor war vor der Pause klar tonangebend, im Rückraum insbesondere auf den Linkshänderpositionen sehr stark und variabel. Dazu wirbelte immer wieder ein groß aufspielender Tim Völzke, der auf neun Treffer kam. Nach dem „hart erarbeiteten Einlauf“ in der Pause, so Schlaich mit einem Kopfschütteln, „einem verdienten Arschtritt“, wie Wendel meinte, drehte sich das Blatt. Konstanz demonstrierte endlich wieder Abwehrstärke und raubte Empor damit von Minute zu Minute mehr Kraft. Im Angriff gelang es nun zudem, die spielerischen Vorteile in Zählbares umzumünzen.

Vor allem über die gut eingesetzten Außen Wendel, Schlaich und Hild aber auch über Joschua Braun entwickelte die HSG mit dynamischem Spiel nun endlich die gewohnte Durchschlagskraft. Und Paul Kaletsch kam, angestachelt vom kollektiven Totalausfall in den ersten 30 Minuten, immer mehr in den „Beast-Mode“. Mit seinen Emotionen pushte er sich und seine Mitspieler und lief am Ende sehr zur Freude