Freundschaft ruht

Von Andreas Joas

  1. Handball-Bundesliga: ThSV Eisenach – HSG Konstanz (Samstag, 19.30 Uhr, Werner-Aßmann-Halle)

Gemeinsame Erlebnisse verbinden. Vor allem die ganz Außergewöhnlichen, die besonders emotionalen. So wie zwei Relegationsspiele um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, zwei Alles-oder-nichts-Duelle. Längst hat sich zwischen dem ThSV Eisenach und der HSG Konstanz sowohl auf Club- als auch Fan-Ebene ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Am Samstag, 19.30 Uhr, wird die Freundschaft allerdings für 60 Minuten ruhen.

Im Duell der beiden Aufsteiger greifen beide Mannschaften nach den nächsten Punkten. Die Thüringer konnten ihr erstes Heimspiel souverän mit 30:25 gegen Hüttenberg gewinnen, auswärts war jedoch zweimal nichts zu holen. Gerade nach der 24:34-Schlappe vor Wochenfrist in Dormagen war die Enttäuschung groß und die Ansagen des Trainers und Managers eindeutig. „Wir erwarten eine Reaktion von der Mannschaft“, gaben Trainerikone Sead Hansanefendic und Geschäftsführer Rene Witte die klare Forderung vor. So sind sich die Konstanzer bewusst, was sie erwarten wird: Ein hochmotivierter Gegner, der auf Wiedergutmachung und den zweiten Erfolg im zweiten Heimspiel aus ist. Vor allem in der Anfangsphase wird der

An Medienverteiler HSG Konstanz

Medienmitteilung HSG Konstanz Vorbericht 2. Bundesliga Auswärtsspiel Eisenach

13.09.2019

Ex-Erstligist sicher versuchen, die HSG Konstanz enorm unter Druck zu setzen und zu überrollen.

Das gelang schon einmal. In den zwei Duellen der Relegation ging Eisenach zweimal als Sieger vom Feld. Nach den schwerwiegenden Abgängen der damals zwei besten Akteure, Daniel Luther (Karriereende) und Marcel Schliedermann (TV Emsdetten), sind die Karten beim ThSV Eisenach allerdings neu gemischt worden. Insgesamt sieben Kroaten und drei Slowenen verstärken das Team nun, sodass Hasanefendic auf jeder Position auf drei bestens ausgebildete Spieler bauen kann. „Wir haben uns verändert“, gesteht so auch der 71-jährige ehemalige Erstliga- und Nationaltrainer diverser Nationen ein. Jedoch, so schiebt er gleich hinterher: „Vom Kader her haben wir eine stärkere Mannschaft. Aber wir sind noch nicht so eingespielt wie im Vorjahr.“ Zudem kehren einige zuletzt schmerzlich vermisste Leistungsträger wie Linkshänder Alexander Saul voraussichtlich zurück auf das Spielfeld.

So ruhen die Hoffnungen der Konstanzer darauf, dass die famose Aufholjagd in den letzten zehn Minuten nach fünf Toren Rückstand gegen den bisherigen Tabellenführer Hamm viel Rückenwind für die schwere Auswärtsaufgabe gibt. „Diese Schlussphase hat besonders gezeigt“, ist Daniel Eblen immer noch begeistert, „dass die Jungs nicht bereit sind, aufzuhören. Sie machen immer weiter – und wurden nun auch dafür belohnt.“ Der HSG-Coach hofft, dass „sie dadurch in ihrer Mentalität bestätigt wurden, dass sich dies auszahlen kann.“ Zumindest als kleines Ausrufezeichen nach den beiden knapp und unglücklich verlorenen Begegnungen gegen Hüttenberg und Bietigheim kann der unerwartete Punktgewinn gegen den bis dahin ausnahmslos mit Kantersiegen erfolgreichen Titelanwärter gewertet werden.

Der in Eisenach jedoch schon wieder Geschichte ist. Nach einer sehr guten, konzentrierten Trainingswoche sagt Eblen: „Ich hoffe, dass wir nun einen Schritt weiter sind.“ Defensiv konnte sein junges Team mit nur 24, 25 und 23 Gegentoren gegen drei Spitzenmannschaften der 2. Handball-Bundesliga schon überzeugen. Ein wichtiger Baustein dabei ist Neuzugang Michael Haßferter (HC Erlangen), der  mit zahlreichen spektakulären Paraden bereits zum sicheren Rückhalt avancierte. „Ganz wichtig“, findet der A-Lizenzinhaber. „Man merkt ihm an, dass er Erfahrung mit Würfen auf diesem Niveau hat. Davon profitieren wir.“ Das gilt allerdings auch für den nächsten Gegner, der nun noch dichter besetzt sein dürfte und einiges an Qualität und Erfahrung hinzugewonnen hat. Als zudem körperlich sehr stark, mit

großgewachsenem Rückraum und Kreisläufern und beweglichen, schnellen Aufbauspielern sieht auch Eblen den ThSV Eisenach stärker als letzte Saison.

Doch auf der Gegenseite tritt man der Aufgabe mit viel Respekt entgegen, wenn Hasanefendic die HSG Konstanz als „eingespielte, spielfreudige und dynamische Mannschaft mit gut ausgebildeten Spielern, die auch bei deutlichen Rückständen nicht aufgeben“, einschätzt. So könnte sich dieses Spiel wie schon in den Do-or-DieDuellen in der Relegation zu einem Publikumsmagneten entwickeln, beim Wiedersehen zwei alter Bekannter, die sich gegenseitig schätzen und auf die Neuauflage zweier denkwürdiger Spiele freuen. Dabei sollen die guten Offensivleistungen unter der Woche nun auch in den Wettkampf transportiert werden, so der Wunsch der Konstanzer Verantwortlichen. Aber auch die Abwehrleistung sei kein Automatismus, wird Eblen nicht müde zu betonen. „Das ist kein Stein, den man einmal auf einen Berg schiebt und dann liegt er da“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. „Das muss man in jedem Training und Spie neu leisten.“ Als Außenseiter habe man jedoch bislang zeigen können, dass man jeden Gegner ärgern könne. „Es macht Spaß, aus dieser Position Handball zu spielen.“ Spaß den man den Spielern um Michael Haßferter anmerkt, der in der letzten Saison schon mit Erlangen in Eisenach aktiv war. „Wir müssen so weiter spielen wie bisher“, meint er der 23-Hährige. „Mit einer aggressiven Deckung und dann schnell nach vorne. Wenn wir das hinbekommen, haben wir auch in Eisenach eine Chance.“